Man kann den Lebensweg eines Menschen auf viele Arten erzählen: über Orte, an denen man gelebt hat, über Berufe, die man ausgeübt hat, über Reisen, Lieben oder Bücher, die einen geprägt haben.
Ich erzähle meine Geschichte anders. Ich erzähle sie in Kleidungsstücken. Denn ich schreibe über Stoffe, die Geschichten tragen und Menschen, die darin leben.
Mein Lebenslauf in Kleidern und Accessoires
Zopfspangen mit Gummis und bunten Plastikblümchen – frühe Versuche, Ordnung ins Haar und vielleicht auch ins Leben zu bringen.
Ein gestreiftes Minikleid von Cacharel, gekauft vom ersten selbst verdienten Geld. Ich war 15, gab Nachhilfe in Englisch. Eine Stunde kostete zehn Mark. Zwei Schülerinnen pro Woche – und ich wähnte mich bereits im Geldspeicher.
Schwarze Kleider vom Flohmarkt, in denen ich als Studentin kettenrauchend durch die Nächte zog, auf der Suche nach mir selbst.
Ein dunkelrotes Hemdblusenkleid für mein zweites Staatsexamen. Es hängt noch immer in meinem Kleiderschrank. Und ja: Es passt mir noch.
Ein dunkelblauer Mantel von Issey Miyake – zum Preis einer Einbauküche. Meine irrwitzigste und zugleich vernünftigste Investition. Denn seit vielen Jahren wohne ich in ihm.
Weite Hosen aus Kaschmir. Barbara Vinken nennt sie „writers’ pants“. Bei mir heißen sie, auf gut ostwestfälisch, „Buchxen“.