Über mich

Man kann sein Leben auf viele Arten erzählen: anhand von Jahreszahlen oder von Orten, an denen man gelebt hat, anhand von Menschen, denen man begegnet ist oder von Reisen, Musik, Büchern und Filmen, die einen geprägt haben.

Ich erzähle meine Geschichte anhand von Kleidungsstücken und Accessoires. Manche stehen für einen bestimmten Moment, andere begleiten mich schon sehr lange.

 

Mein Lebenslauf in Kleidern und Accessoires

Zopfspangen mit Gummis und bunten Plastikblümchen. Meine ersten Versuche, Ordnung in meine Haare zu bringen. Ich muss zugegeben, dass meine Haare mir viel bedeuten. Sie ganz kurz zu schneiden oder zu verlieren, ist eine Horrorvorstellung für mich.

Ein blau-weiß gestreiftes Minikleid. Gekauft mit 15 von meinem ersten selbst verdienten Geld als Nachhilfelehrerin. Blau-weiß gestreifte Kleider trage ich noch immer gern.

Schwarze Kleider vom Flohmarkt. Als Studentin trug ich alles, aber keine Farben. In Farben kam ich mir vor wie ein Papagei. Ich hatte das Gefühl, dass Farben mich erschlugen. Die schwarzen Kleider beschützten mich.

Ein dunkelrotes Hemdblusenkleid. Mein Kleid zum zweiten Staatsexamen. Klare Linie, tolle Qualität, nicht überkandidelt. Es vermittelte mir bei der Prüfung Sicherheit. Ein Kleid fürs Leben. Es hängt noch immer in meinem Kleiderschrank und passt mir noch.

Kitten Heels von Gucci. Hochelegant, für meine damaligen Verhältnisse eine Riesen-Anschaffung und leider sehr kompliziert zu tragen. Man braucht eine Gebrauchsanweisung, um sie anzuziehen und ein Taxi, das einen bis vor den Barhocker fährt. Einer der größten Fehlkäufe, die ich mir geleistet habe.

Ein dunkelblauer Mantel eines japanischen Designers. Andere kaufen sich Einbauküchen, ich kaufte mir diesen Mantel. Bereut habe ich es nie, denn  er wurde zu meiner zweiten Haut. Böswillige Zungen behaupten sogar, ich wohne darin.

Weite Hosen aus Kaschmir. Die derzeit wichtigsten Kleidungsstücke für mich. Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken nennt sie „writers’ pants“. Bei mir heißen sie, auf gut ostwestfälisch, „Buchxen“. Sie sind bequem, überstehen lange Tage am Schreibtisch und sehen dabei so aus, als hätte ich mir über mein Outfit Gedanken gemacht. Was nicht immer der Fall ist.